Ob Großwärmepumpe, magnetische Kühlung oder digitale Systemoptimierung: Drei Start-ups zeigen, wie die Kälte- und Klimatechnik effizienter und nachhaltiger sein kann.
Wie jede Branche lebt die Kälte- und Klimatechnik von Innovation. Vor allem die Energieeffizienz und die Nachhaltigkeit stehen hier im Mittelpunkt. Auch auf der Chillventa in Nürnberg bekommen die jungen Unternehmen eine eigene Plattform. Im Kurzprofil stellt die Redaktion drei ausgewählte Unternehmen und ihre innovativen Ansätze vor. Das Themenfeld ist dabei weitreichend. Die Start-ups stellten sich zum Beispiel die Frage, wie die Wärmeversorgung für Kommunen und Gemeinden in Zukunft aussehen kann. Außerdem ist die Frage nach nachhaltigen Kältemitteln entscheidend. Aber auch das System hinter einer Kälteanlage muss betrachtet werden: Mit der richtigen Optimierung und Automatisierung kann viel gespart werden.
Towergy wurde 2025 gegründet und entwickelt den Klimaturm – eine vertikale Luft-Großwärmepumpe für Kommunen, Stadtwerke und Quartiere. Sie soll die Versorgungslücke zwischen Fernwärme und dezentralen Wärmepumpen schließen. Gleichzeitig soll das eine wirtschaftliche Wärmeplanung ermöglichen, insbesondere in dicht bebauten Quartieren. Der erste Klimaturm ging 2026 auf der Bremer Überseeinsel in Betrieb.
Der Klimaturm benötigt laut Angaben des Unternehmens nur etwa zwei Pkw-Stellplätze, arbeitet flüsterleise und eignet sich für urbane Bestands- und Neubauquartiere. Einzelne Anlagen oder mehrere Klimatürme im Schwarm lassen sich mit Energiespeichern und intelligenter Betriebssteuerung kombinieren. Das ermöglicht niedrigere Wärmegestehungskosten für die Verbraucher und weniger Investitionsrisiko für Stadtwerke.
Die Nachfrage ist hoch, wie Towergy bestätigt. Die Serienfertigung soll ab 2027 in Bremerhaven ausgebaut werden. Gleichzeitig spricht das Unternehmen eine Hürde an: die regulatorischen Rahmenbedingungen. Nur wenn diese verlässlich sind, können Kommunen und Stadtwerke ihre Investitionen zügig umsetzen.

Kälte ohne Kältemittel ist ein wichtiger Trend. Einen Ansatz zeigt Magnotherm: Die Technologie des Spin-Offs der TU Darmstadt basiert auf dem magnetokalorischen Effekt. Durch ihn erwärmen sich Materialien beim Magnetisieren und kühlen beim Entmagnetisieren ab. Beim Magnetisieren durchströmt ein wasserbasiertes Transfermedium die poröse Struktur des Materials, nimmt die entstehende Wärme auf und führt sie einem Flüssigkeit-Luft-Wärmetauscher zur Abgabe zu, wodurch sich die Temperatur des Materials senkt. Anschließend wird das Material entmagnetisiert, wodurch sich seine Temperatur weiter absenkt. Ein erneuter Durchfluss desselben Transfermediums nimmt diesen Kühleffekt auf und führt ihn der eigentlichen Anwendung zu. Dieser als Active Magnetic Regeneration bekannte Prozess wiederholt sich fortlaufend und erzeugt so einen nutzbaren Temperaturhub für Kühlanwendungen.
Magnotherm arbeitet vor allem mit dem Lebensmitteleinzelhandel zusammen. Ein Beispiel ist Rewe. Nach einer fünfmonatigen Testphase in einer Musterhalle entwickelte sich daraus ein gemeinsames Pilotprojekt. Die Testphase zeigte eine um 15 % höhere Effizienz gegenüber klassischer, propanbasierter Kompressionskälte. Auf Basis dieser Ergebnisse wird die Installation der Eclipse Toploader nun auf ausgewählte Märkte ausgeweitet. Mit der Weiterentwicklung Stellar adressiert das Deep-Tech-Startup auch die Kühlung von Rechenzentren und industriellen Prozessen. Das ist auch der Fokus für die Zukunft.
Die Herausforderungen des jungen Unternehmens liegen dabei nicht nur an höheren Magnetfeldstärken und der Materialverfügbarkeit. Noch ist die Technologie nicht wirtschaftlich genug, da die Lösung teurer als etablierte Systeme ist.
Chillventa Halle 9, Stand 115

Als Ausgründung der TU Berlin hat sich Factor4Solutions zum Ziel gemacht, Kältezentralen als koordiniertes Gesamtsystem zu verbinden. Auf Basis von künstlicher Intelligenz soll der Energieverbrauch von Kälteanlagen optimiert werden. Herkömmliche Regelung optimiert jede Komponente für den Auslegungspunkt, der in unter 3 % der Betriebsstunden eintritt – 30 % bis 50 % des Jahresstrombedarfs werden von Nebenkomponenten (Pumpen, RKW, etc.) verursacht. Hier soll Syma, die „digitale Dirigentin“, ansetzen, so die Gründer. Sie wurden bereits von der Internationalen Energieagentur für Forschung und Entwicklung zu effizientem Anlagen- und Systembetrieb in der Kälte- und Wärmeversorgung ausgezeichnet.
Syma optimiert das gesamte Kälteerzeugungssystem statt einzelner Komponenten. Kern sind physikbasierte Anlagenmodelle, die den Betrieb in Echtzeit simulieren und die beste Ansteuerung ableiten – ohne Black-Box-Lernphase, erklärt das Unternehmen.
Das Unternehmen blickt vor allem auf Betreiber mittlerer und großer Kältezentralen – Rechenzentren, Krankenhäuser, Industrie- und Prozesskühlung sowie Energy-as-a-Service-Anbieter. Laut Factor4Solutions können Kunden ihre Energieverbräuche mit Syma um durchschnittlich 40 % senken. Der Verbrauch an Kältemittelmenge stieg nur leicht. Die Investition in das Syma habe sich hingegen schon nach 12 Monaten amortisiert, was für die Bestandsoptimierung spricht.
Chillventa, Halle 9, Stand 221
