Tiefkühlwirtschaft bleibt weiter auf Wachstumskurs
Die neue Studie „-18 Grad. Die Tiefkühlwirtschaft in Deutschland.“ des Deutschen Tiefkühlinstituts (dti), bietet eine systematische Bestandsaufnahme.
Minus 18 °C verbinden weltweit eine Branche, die mit ihrer Technologie und ihren komplexen Lieferketten eine bedeutende Rolle für die Lebensmittelversorgung spielt. Die Tiefkühlwirtschaft als eigener Wirtschaftszweig wird dennoch medial und politisch bisher wenig sichtbar. Die neue Studie „-18 Grad. Die Tiefkühlwirtschaft in Deutschland.“ will das mit einer systematischen Bestandsaufnahme ändern. Das Branchenporträt wurde vom Deutschen Tiefkühlinstitut (dti) e. V., dem Spitzenverband der Tiefkühlwirtschaft, bei der AFC Consulting Group in Auftrag gegeben. Es soll dazu beitragen, eine Lücke in der amtlichen Wirtschaftsstatistik zu schließen, die die Tiefkühlwirtschaft bisher nicht als eigenständige Branche erfasst.
Methodik: Datenerhebung und Experteninterviews
Das Branchenporträt kombiniert einen zweistufigen Ansatz: Quantitativ wurden 186 TK-Unternehmen aus Herstellung und Handel auf Basis einer Unternehmensdatenbank aggregiert und anonymisiert ausgewertet, ergänzt durch lange Zeitreihen der dti-Absatzstatistik sowie HS Code-Außenhandelsauswertungen zur internationalen Beschaffung, durchgeführt durch HGS Research. Qualitativ flossen fünf strukturierte Experteninterviews (Retail, Außer-Haus-Markt, Supply Chain, Nachhaltigkeit, Kältetechnik) ein, um die Ergebnisse zu kontextualisieren und Praxistrends abzuleiten. Maximilian Waltmann, Geschäftsführer AFC Management Consulting: „Unser Ansatz macht die Tiefkühlwirtschaft als zusammenhängenden Wirtschaftsbereich erstmals greifbar – über Unternehmensstrukturen, Märkte und Trends hinweg. Damit liegt eine belastbare Datengrundlage vor, die künftig weiter verfeinert und aktualisiert werden kann.“
Branchenporträt zum Jubiläum
Das Branchenporträt erscheint im Jubiläumsjahr des Verbands: Am 6. Juni 2026 feiert das dti seinen 70. Geburtstag. „Die Tiefkühlwirtschaft ist in nahezu jedem Haushalt und in unzähligen Profiküchen präsent. Sie ist ein eigenständiger, investitionsstarker, innovativer Lebensmittelzweig“, sagt Simon Morris, dti Vorstandsvorsitzender. „Das Branchenporträt macht sichtbar, wie stark die Tiefkühlwirtschaft heute in Handel, Heimdiensten und der Außer-Haus-Verpflegung vertreten ist – und welchen wichtigen Beitrag sie für Versorgung, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit leistet.“
Einer der größten Zweige der Ernährungsindustrie
Die Studie unterstreicht das wirtschaftliche Gewicht der Tiefkühlwirtschaft und zeigt sie als Wachstumsbranche im Markt. Als eigenständige Branche gehört sie zu den vier größten Zweigen der Ernährungsindustrie und ist wichtiger Partner von Landwirtschaft, Handel und Gastronomie. Zwischen 2015 und 2024 stieg der nominale Inlandsumsatz der Branche um rund 70 % von 13,3 auf 22,6 Mrd. Euro. Die Absatzmengen erhöhten sich von 3,5 auf 4,1 Mio. Tonnen (+17 %). Preisbereinigt legte der Umsatz deutlich zu: real von 14,6 auf 17,0 Mrd. Euro (+16,6 %). Das Wachstum ist also vor allem mengengetrieben. Die Ernährungsindustrie wuchs im gleichen Zeitraum zwar nominal, real musste sie jedoch einen Verlust von 10,2 % hinnehmen. Die Tiefkühlwirtschaft konnte ihren Anteil am Inlandsumsatz nach eigenen Berechnungen von rund 12 % (2015) auf gut 15 % (2024) ausbauen.
Als integrierte Wertschöpfungskette aus Produktion und Logistik sichert die Tiefkühlwirtschaft eine hochwertige, ganzjährig verfügbare Lebensmittelversorgung – und verbindet dabei Effizienz mit Qualität und Nachhaltigkeit.

Erfolg basiert auf dualer Marktstrategie
Der wirtschaftliche Erfolg der Tiefkühlwirtschaft basiert auf einer dualen Marktstrategie: feste Verankerung in regionalen und europäischen Beschaffungsmärkten und starke Präsenz auf dem heimischen sowie den internationalen Absatzmärkten. Die EU ist der wichtigste ausländische Beschaffungsmarkt und spielt auch für den Export eine wichtige Rolle.
Großbetriebliche Strukturen prägen die Tiefkühlwirtschaft
Die Tiefkühlwirtschaft ist aufgrund ihrer Technologieintensität von größeren betrieblichen und kapitalintensiveren Strukturen geprägt: Hohe Investitionen in Anlagen erfordern eine entsprechende Auslastung, um Skaleneffekte zu realisieren. Rund 44,8 % der TK-Unternehmen haben mehr als 250 Beschäftigte. Weitere 32,7 % sind mittelständische Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten. In der Ernährungsindustrie dominieren dagegen kleinere Strukturen: 55,2 % der Betriebe haben zehn bis 50 Beschäftigte, und nur rund 9,8 % erreichen die Größenklasse ab 250 Beschäftigten. Die Analyse der TK-Unternehmen zeichnet das Bild eines Sektors, der fest im Mittelstand verankert ist, zugleich aber eine hohe Konzentration und internationale Verflechtung aufweist. Zusammen beschäftigt die Branche rund 150.000 Mitarbeiter.

Familienunternehmen – Rückgrat der Branche
Ihre Stärke zieht die Tiefkühlwirtschaft aus der Vielfalt und einer gesunden Wirtschaftsstruktur: Ihr Rückgrat bilden traditionsreiche Familienunternehmen, zusammen mit international aufgestellten Konzernen und vielen mittelständischen, regional verankerten Unternehmen. Fast die Hälfte der Unternehmen ist in Familienbesitz (44,6 %). Diese langfristig geprägte Unternehmenskultur steht für hohe Identifikation mit Produkt und Standort und spiegelt sich auch in einem ausgeprägten Nachhaltigkeitsengagement wider: Nachhaltigkeit, insbesondere der Klimaschutz, ist eine wichtige strategische Säule der Tiefkühlwirtschaft. Das Engagement folgt einem ganzheitlichen Ansatz – von Energieerzeugung und -effizienz über die Gestaltung der Lieferketten bis hin zu Verpackungslösungen und sozialen Aspekten.
Branche vor strategischen Herausforderungen
Das Branchenporträt beschreibt die Tiefkühlwirtschaft als kapital- und technologieintensiven Sektor, der für die Zukunft gut aufgestellt ist. Dennoch spielt der Faktor Mensch auch in hochautomatisierten Werken die wichtigste Rolle. Als Innovationstreiber investiert die Branche gezielt und mit hohem Kapitaleinsatz in Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die Investitionen bewegen sich dabei häufig im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Zugleich steht die Branche vor strategischen Herausforderungen: Rohstoff- und Energiepreisvolatilität, veränderte Konsummuster, die Umsetzung der digitalen und nachhaltigen Transformation, wachsende regulatorische Komplexität und der Fachkräftemangel prägen strategische Entscheidungen.
Energie und Wettbewerbsfähigkeit sichern

Damit die Tiefkühlwirtschaft auch weiterhin ihre wichtige Rolle für die Lebensmittelversorgung erfüllen kann, fordert das dti wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die die Produktivität und Transformation verbessern: „Planungs- und Rechtssicherheit für Investitionen, praxistaugliche Regulierung und weniger Bürokratie, bezahlbare und sichere Energie mit konsequentem Ausbau der Erneuerbaren sowie offene, internationale Marktzugänge für Import und Export sind Voraussetzung dafür, dass die Unternehmen der Tiefkühlwirtschaft ihre Rolle für eine verlässliche Versorgung weiter ausüben können“, sagt dti-Geschäftsführerin Sabine Eichner.




